Fünf Film-Highlights aus dem ersten Halbjahr 2026

Ein narzisstisches Pingpong-Ass, ein tödlicher Bewerbungsprozess, eine ergreifende Dom-Sub-Romanze, ein uralter Ginkgobaum und eine freie Frau in Männerkleidern: Auch im ersten Halbjahr 2026 flimmerte Grossartiges über die Schweizer Leinwände. Fünf Filme zum Nachholen oder Wiederschauen.

Ganz grosses Tischtennis: «Marty Supreme». | Bildmaterial: Ahmad Badik, bearbeitet von Jan Wattenhofer

Nach einem schwachen 2025, in dem die Anzahl Kinoeintritte schweizweit um rund acht Prozent zurückgegangen ist, gibt’s für das laufende Jahr erfreuliche News: Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) verkauften die Schweizer Lichtspielhäuser rund 5,3 Millionen Eintritte bis Ende Juni 2026 – das beste Halbjahresergebnis seit 2023. Verglichen mit derselben Periode im Vorjahr stiegen die Besucherzahlen um beträchtliche 17 Prozent. «Michael», das Biopic über den King of Pop, die Fortsetzung «Der Teufel trägt Prada 2» sowie das Animationsspektakel «Der Super Mario Galaxy Film» waren besonders erfolgreich und lockten jeweils über 300’000 Zuschauende in die hiesigen Kinosäle.

Aber gehören diese drei Streifen wirklich zum Besten, was man sich in den ersten sechs Monaten des Jahres reinpfeifen konnte? Vielleicht … vielleicht auch nicht. Ich habe keinen der erwähnten Filme gesehen, dafür ein paar andere. Den spassigen Horror-Actionklopper «They Will Kill You» zum Beispiel. Oder «Der Hochstapler – Roofman», die verrückte, aber wahre Geschichte des freundlichsten Einbrechers aller Zeiten. Oder «Rental Family», in dem Brendan Fraser mit seinen süssen Kulleraugen Gefühle in Tokio verkauft. Oder …

Jaja, bei einem solchen Überangebot an Kinostarts verliert man schnell mal die Übersicht (mir geht’s zeitweise genauso). Doch um euch die Wahl für den nächsten Filmabend vielleicht etwas zu erleichtern, serviere ich hier fünf Glanzlichter aus dem ersten Halbjahr 2026, die ihr nicht verpassen solltet.


«Marty Supreme» von Josh Safdie

Filmfakten

Regie: Josh Safdie
Drehbuch: Josh Safdie, Ronald Bronstein
Kamera: Darius Khondji
Schnitt: Ronald Bronstein, Josh Safdie
Musik: Daniel Lopatin
Mit: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion, Kevin O’Leary, Tyler Okonma, Abel Ferrara, Fran Drescher, Koto Kawaguchi, Sandra Bernhard, Spenser Granese, Géza Röhrig
Produktionsland: USA
Länge: 150 Minuten
Erscheinungsjahr: 2025
Kinostart Deutschschweiz: 26. Februar 2026

Josh Safdies «Marty Supreme», die Geschichte eines aufstrebenden Tischtenniswunderknaben im New York der 1950er-Jahre, ist so atemlos, so schweisstreibend, dass sich im Vergleich selbst ein Saunabesuch wie eine erfrischende Abkühlung anfühlt. Ping! Pong! Ping! Pong! Das ist der vorherrschende Rhythmus. Ohne Unterbrechung. Hin und her. Erfolg folgt auf Niederlage, Überlegenheit auf Erniedrigung. Es wird gerannt und gebangt, betrogen und gelogen, verführt und verraten, gelacht und geweint.

Im Mittelpunkt des Films steht das egozentrische Pingpong-Ass und Profi-Arschloch Marty Mauser, der irgendwie seine leeren Taschen mit ein paar Moneten füllen muss, um nach Japan zu reisen. In Tokio findet die Tischtennisweltmeisterschaft statt, wo er den Titel gewinnen, seinen Rivalen Koto Endo (Koto Kawaguchi) in einem Rematch bezwingen und der Welt endlich beweisen will, dass er der beste Spieler auf dem Planeten ist. Timothée Chalamet mimt diesen selbstsüchtigen Wichser, diesen Charmeur, dieses Genie, diesen miserablen Verlierer und noch viel schlimmeren Gewinner mit einer solchen Inbrunst, dass wir in jeder einzelnen Szene an seinen Lippen hängen wie ein frisch verliebtes Teenagerpaar an einem sturmfreien Wochenende.

Josh Safdie und sein Co-Autor Ronald Bronstein hetzen Marty durch New York und dessen Umland, stets auf der Suche nach dem schnellen Geld, das ihm immer wieder durch die Finger gleitet, während um ihn herum Badewannen durch Böden brechen oder Tankstellen in Flammen aufgehen. Seine Arroganz und Selbstsucht sind die höchsten Hürden, die er zu überwinden hat, und er steht ihnen oftmals chancenlos gegenüber. Ab und zu spielt er sich gewieft in eine vorteilhafte Position, wird jedoch schnell wieder auf seinen Platz verwiesen, wo der Kapitalismus ihm buchstäblich den Hintern versohlt. «Marty Supreme» betont adrenalingeladen und irrsinnig unterhaltsam, wer auf der Welt das Sagen hat: die Reichen mit ihren Geldsäcken, die aus allen Nähten platzen.

Und obwohl der Streifen mit einer versöhnlichen Note endet und es scheint, dass Marty vor einer drastischen Veränderung steht, wissen wir mit absoluter Sicherheit – nach all dem, was wir mit diesem elenden Kotzbrocken durchgemacht haben –, dass sich am nächsten Tag alles wieder um ihn und seine 2,7 Gramm schweren orangen Kunststoffbälle drehen wird.


«No Other Choice» von Park Chan-wook

Filmfakten

Originaltitel: 어쩔수가없다 (Eojjeol suga eopda)
Regie: Park Chan-wook
Drehbuch: Park Chan-wook, Lee Kyoung-mi, Lee Ja-hye, Don McKellar
Kamera: Kim Woo-hyung
Schnitt: Kim Sang-bum, Kim Ho-bin
Musik: Cho Young-wuk
Mit: Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran, Cha Seung-won, Yoo Yeon-seok
Produktionsland: Südkorea
Länge: 139 Minuten
Erscheinungsjahr: 2025
Kinostart Deutschschweiz: 5. Februar 2026

25 Jahre Treue, Leidenschaft und harte Arbeit und trotzdem muss sich Man-su (Lee Byung-hun) verabschieden, als die Papierfabrik, in der er so lange geschuftet hat, von einem US-Konzern übernommen wird. Denn die neue Führungsriege veranlasst erst einmal einen personellen Kahlschlag, durch den Man-su ebenfalls auf Jobsuche geschickt wird. Die verläuft mehr als holprig, nach 13 Monaten ist der Familienvater noch immer erwerbslos. Dann ergibt sich die Chance: Die Firma Moon Paper will eine neue Führungsperson rekrutieren. Man-su bewirbt sich sofort, genauso wie ein Dutzend anderer Männer mit gleichwertigen Qualifikationen, wie er sie vorweisen kann.

Der finanzielle Druck, seine Familie zu ernähren, die Hypothek für sein geliebtes Haus zu bezahlen und sich einen dringend benötigten Zahnarzttermin leisten zu können, treibt Man-su in die reinste Verzweiflung. Er muss diesen Job bei Moon Paper kriegen, und das auf Teufel komm raus! Selbst wenn er gezwungen ist, dafür alle anderen Kandidaten auszuschalten … was so viel bedeutet wie: über den Jordan schicken, die Lebenslichter ausknipsen, abmurksen.

Ach, und mit welcher Lust der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook diese Mordserie wieder inszeniert. «No Other Choice» bietet Szenenübergänge, Kamerafahrten und Bild-im-Bild-Einstellungen, die nur ein Meister seines Fachs so einfallsreich und anmutig zu deichseln vermag. Fast fühle ich mich dazu verleitet, Lobgesänge auf den Liebreiz dieser visuellen Vortrefflichkeit zu trällern. Um die Ohren meiner Mitmenschen vor Schlimmerem zu bewahren, lass’ ich’s besser bleiben …

Zu alledem weiss Park aber auch wieder eine interessante Geschichte zu erzählen, die einerseits mit aberwitzigem Slapstick unterhält und andererseits die Brutalität des Kapitalismus offenlegt. «No Other Choice» präsentiert einen Mann, der sich mit seiner Arbeit identifiziert, durch sie Status erhält und in ihr gar eine sinnstiftende Aufgabe sieht. Er ist der perfekte Angestellte, was ihn jedoch nicht davor schützt, seinen Posten zu verlieren. Das Subjekt wird als Ressource gezeigt, das für Profitmaximierung jederzeit ersetzt werden kann, sei es durch billigere Arbeitskräfte, Maschinen oder künstliche Intelligenz.

Viel trauriger allerdings: Man-su und seine Opfer – ebenfalls arbeitslose Papierfabrikmanager – bringen es nicht fertig, zu erkennen, wie sehr sich ihre Zwickmühlen ähneln. Eigentlich wären sie Verbündete, doch der Konkurrenzkampf ist derart stark in den Köpfen verankert, dass er diese Männer voll und ganz blendet.


«Pillion» von Harry Lighton

Filmfakten

Regie: Harry Lighton
Drehbuch: Harry Lighton
Kamera: Nick Morris
Schnitt: Gareth C. Scales
Musik: Oliver Coates
Mit: Harry Melling, Alexander Skarsgård, Douglas Hodge, Lesley Sharp, Jake Shears, Anthony Welsh, Billy King, Stevie Raine, Jake Sharp, Paul Tallis, Miranda Bell, Rosie Sheehy, Georgina Hellier, Michael ‚Mike‘ Jones, Nick Figgis, Kavcic Miha, Kevin Bazeley, Christina Carty, Ian Wilson, Jack Genevois
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Irland
Länge: 107 Minuten
Erscheinungsjahr: 2025
Kinostart Deutschschweiz: 26. März 2026

«Pillion» ist ein Film darüber, wie man eine romantische Beziehung aufbaut und führt, die für beide Seiten erfüllend ist. Das überrascht im ersten Moment, geht es in Harry Lightons Tragikomödie doch um ein Dom-Sub-Verhältnis, das die meisten wahrscheinlich nicht direkt mit einer gesunden Liebe in Verbindung bringen würden. «Ich habe eine Begabung für Hingabe», sagt Colin (Harry Melling), ein schüchterner junger Mann, der bei seinen Eltern in einer verschlafenen britischen Vorstadt lebt.

Dass er überhaupt ein derartiges Talent besitzt, entdeckt er erst durch die Bekanntschaft mit dem attraktiven Biker Ray (Alexander Skarsgård), der von nun an sein dominanter Meister ist. Colin muss jeden Befehl seines Herrn befolgen, den Haushalt schmeissen und nachts wie ein Hund am Boden schlafen. Was als erotisches Abenteuer beginnt, entwickelt sich zu einer bewegenden und vielschichtigen Romanze, in der die beiden Hauptdarsteller Harry Melling und Alexander Skarsgård brillieren. Besonders Letzterer versteht es, uns mit subtilem Schauspiel und der kleinsten Gesichtsregung zu kommunizieren, welch komplexe Gefühlswelt in dem stoischen, vermeintlich kalten Ray steckt.

Und genau darum geht es unter anderem, sowohl in «Pillion» als auch in einer Paarbeziehung: um Kommunikation, um das Aufzeigen von Grenzen, um das Verhandeln von Bedingungen und – letzten Endes – um das Herausfinden, was man eigentlich will und braucht, um glücklich verliebt zu bleiben. All das verpacken Harry Lighton und sein Kameramann Nick Morris in präzise, körperliche und intensive Bilder, sodass «Pillion» einer der schönsten und reifsten Filme über die Liebe ist – und das nicht nur des bisherigen Jahres, sondern auch der aktuellen Dekade.


«Silent Friend» von Ildikó Enyedi

Filmfakten

Regie: Ildikó Enyedi
Drehbuch: Ildikó Enyedi
Kamera: Gergely Pálos
Schnitt: Károly Szalai
Musik: Gábor Keresztes, Kristóf Kelemen
Mit: Tony Leung Chiu-wai, Léa Seydoux, Luna Wedler, Enzo Brumm, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock, Marlene Burow, Yun Huang, Luca Valentini, Felix Burose
Produktionsland: Deutschland, Frankreich, Ungarn
Länge: 147 Minuten
Erscheinungsjahr: 2025
Kinostart Deutschschweiz: 22. Januar 2026

Meditativ, ja streckenweise einlullend und dennoch fesselnd wie Efeu, der sich bedächtig und sanft um einen Baumstamm windet – «Silent Friend» ist eine zweieinhalbstündige Abhandlung über das Verhältnis zwischen Mensch und Pflanzenreich, die sich geschickt über drei Handlungsstränge, ein Jahrhundert und die Flora des Alten Botanischen Gartens der Universität Marburg erstreckt. Die Drehbuchautorin und Regisseurin Ildikó Enyedi sowie ihr Kameramann Gergely Pálos – beide aus Ungarn stammend – statten jede Episode mit einer eigenen Ästhetik aus, die die jeweilige Geschichte und ihre Dekade visuell ebenso treffend wie stilvoll heraufbeschwört.

In kühlen, digitalen Einstellungen gefilmt, tritt der Hongkonger Neurowissenschaftler Dr. Tony Wong (Tony Leung Chiu-wai) 2020 seine Gastprofessur in Marburg an, wo die ausbrechende Covid-Pandemie seine Forschung stilllegt. Bald darauf entwickelt er, so ganz alleine, isoliert und gelangweilt, eine Neugier auf einen alten Ginkgobaum. Die zweite Episode, festgehalten auf 16-mm-Film in satten, sommerlichen Farben, erzählt vom Studenten Hannes (Enzo Brumm). Während sein Schwarm Gundula (Marlene Burow) auf Reisen geht, wässert er ihre an ein Messgerät angeschlossene Geranie und freundet sich auf überraschende Weise mit dem Gewächs an.

Und zuletzt, im Jahr 1908, wird Grete (Luna Wedler) – nach einem der unangenehmsten und zugleich spannendsten Verhöre des bisherigen Kinojahrs – als erste Frau für das Biologiestudium an der Universität Marburg zugelassen. In wunderschön belichteten 35-mm-Schwarz-Weiss-Bildern sehen wir ihr zu, wie sie sich in einer konservativen Männerwelt behauptet und mit ihrer neu entdeckten Passion für Fotografie die Pflanzen und sich selbst besser kennenlernt.

Wie steht der Mensch, der sich die Natur untertan gemacht hat und zu Milliarden in Betonwüsten und Stahltürmen lebt, zu den Gräsern, Blumen, Sträuchern und Bäumen, die so unscheinbar um ihn herum existieren? Gibt es zwischen ihm und all dem Grünzeug überhaupt so etwas wie eine Verbindung? Und wenn ja, wie sieht sie aus? Kann sogar eine Art Verständigung, eine gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Pflanze gefunden und zum gegenseitigen Austausch verwendet werden? Es sind solche Fragen, die uns Ildikó Enyedi mit ihrem Film stellt, wobei sie die meisten Antworten jedoch unter einer rätselhaften Schicht Moos vor uns verbirgt.

Gemeinsam mit den Figuren erschliessen wir uns den botanischen Garten in Marburg, diesen grünen, wundersamen Mikrokosmos, mit den Mitteln der Technik. Das scheint paradox, ist es doch Technologie, für die und mit der wir natürliche Ressourcen nutzen, ausbeuten oder schlicht zerstören. Sie kann allerdings in Form von Gehirnscannern, Messfühlern oder Kameras auch dazu dienen, mit der vermeintlich stummen Natur in Kontakt zu treten, wie Enyedi faszinierend zu erzählen weiss. «Silent Friend» ist ein Film zum Träumen und Sinnieren.


«Rose» von Markus Schleinzer

Filmfakten

Regie: Markus Schleinzer
Drehbuch: Markus Schleinzer, Alexander Brom
Kamera: Gerald Kerkletz
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Musik: Tara Nome Doyle
Mit: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Maria Dragus, Annalisa Hohl, Robert Gwisdek, Augustino Renken, Maurice Leonhard, Anni Molke, Emma Bahlmann, Bastian Trost, Sven-Eric Bechtolf, Rainer Egger, Martine Schambacher, Anne Klein, Marius Huth, Till Schmidt
Produktionsland: Österreich, Deutschland
Länge: 93 Minuten
Erscheinungsjahr: 2026
Kinostart Deutschschweiz: 7. Mai 2026

«In der Hose war mehr Freiheit», sagt Rose (Sandra Hüller) vor einer Reihe Richter, die ihr den Prozess machen. Warum aber steht sie vor Gericht? Nachdem 1648 der Dreissigjährige Krieg geendet hatte, hat sich Rose als Soldat verkleidet und in einer Dorfgemeinschaft als rechtmässiger Erbe Anspruch auf ein Stück Land erhoben. Rose hat das heruntergekommene Grundstück auf Vordermann gebracht, erfolgreich einen Bärenangriff abgewehrt, mit ihren Feldern Überschuss erwirtschaftet und Suzanna (Caro Braun), die Tochter eines wohlhabenden Grossbauern, geheiratet und mit ihr ein Kind gezeugt. Lange Zeit hat Rose das ganze Dorf an der Nase herumgeführt, hat ihre wahre Identität, ihr wahres Geschlecht verbergen können, sogar vor ihrer Ehefrau.

«Rose» des österreichischen Regisseurs Markus Schleinzer ist ein exzellentes Historiendrama, das die Unterdrückung der Frau im 17. Jahrhundert zeigt und mit seinem universellen Thema bis in unser Heute hineinragt. Dieses Thema wird im einleitenden Zitat bereits recht offensichtlich angedeutet: Es ist die Freiheit, die sich die Menschen im Verlauf der Geschichte – und auch 2026 noch – erkämpfen müssen, da sie alles andere als selbstverständlich ist. In «Rose» sind es Rollen- und Geschlechterbilder sowie Recht und Ordnung, entstanden und geformt durch religiöse Vorstellungen, die der titelgebenden Protagonistin und ihrer Partnerin Suzanna die Freiheit aus den Händen reissen.

Gerald Kerkletz’ Kamera fängt in sagenhaften Schwarz-Weiss-Aufnahmen ein, wie sich zwei Frauen die Freiheit, die ihnen zusteht, aber nicht gewährt wird, einfach nehmen. Rose, indem sie sich eine Hose über die Beine zieht. Suzanna, indem sie eine Ehe eingeht, die ihr erst falsch erscheint, sich dann aber als unabhängiges Leben entpuppt, das sie niemals wieder hergeben würde.

Die Art und Weise, wie rätselhaft gemächlich, aber doch hoch spannend sich dieser komplexe Film in gerade einmal 93 Minuten vor uns entfaltet, fesselt wie die Ketten einer Folterbank. Wir leiden mit diesen beiden Frauen, die Sandra Hüller und Caro Braun so nuanciert spielen, dass sich die Tragik ihrer Geschichte noch intensiver anfühlt, als sie es sonst schon wäre.

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