
In «My Sunshine» müsste das viele Eis und der ganze Schnee im namenlosen japanischen Städtchen sofort schmelzen – nicht nur wegen dem titelgebenden Sonnenschein. Sondern vor allem, weil Regisseur Hiroshi Okuyama seinen Film mit so viel Herzenswärme anreichert.
Er erzählt die Geschichte von Takuya (Keitatsu Koshiyama), ein Mittelschüler, der beim Hockey den Puck mit seinem Schläger weder trifft noch als Goalie im Tor hält. Nach einem Training in der Eishalle sieht er die gleichaltrige Sakura (Kiara Nakanishi). Sie tanzt über das Eis und scheint in Momenten sogar der Erdanziehungskraft zu trotzen. Takuya entdeckt seine Leidenschaft: Eiskunstlauf.
Er probiert es selbst aus und scheitert. Arakawa (Sosuke Ikematsu), der Trainer von Sakura, sieht jedoch Potenzial in Takuya und formt aus den beiden Teenagern ein Tanzpaar. Ziel ist, dass die beiden an einem lokalen Wettbewerb teilnehmen können.
Filmfakten
Originaltitel: Boku no Ohisama
Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt: Hiroshi Okuyama
Hauptrollen: Keitatsu Koshiyama, Kiara Nakanishi, Sosuke Ikematsu
Produktionsland: Japan, Frankreich
Länge: 90 Minuten
Kinostart Deutschschweiz: 6. Februar 2025
Wir sehen in lichtdurchfluteten Bildern, wie das Trio ihre Choreografie einstudiert. Je tiefer ihre Schlittschuhe Kerben ins Eis kratzen, desto tiefer wird ihre Freundschaft. Die Kamera hält meistens Abstand. Dadurch baut der Regisseur jedoch keine Distanz zu den Figuren auf, wie das beispielsweise Stanley Kubrick machte. Hiroshi Okuyama gelingt es, dass wir uns danach sehnen, diesen Menschen näherzukommen, ihnen beim Training zu helfen und jeden noch so kleinen Erfolg mit einer Umarmung und einer Nudelsuppe zu feiern.
Fehlendes Verständnis
Dass Okuyama bereits mit Hirokazu Koreeda, Regisseur von unter anderem «Shoplifters» (2018), an der Netflix-Serie «The Makanai: Cooking for the Maiko House» (2023) zusammengearbeitet hat, ist in «My Sunshine» immer spürbar. Koreeda ist ein Filmemacher, der vor allem von Menschlichkeit erzählt – möge die Situation noch so unmenschlich sein. Hiroshi Okuyama tut es seinem Mentor gleich.
«My Sunshine» strahlt nicht nur Wärme aus, sondern wirft auch Licht auf soziale Probleme. Ein Junge, der Eiskunstlauf betreibt und insbesondere ein Eiskunstlauftrainer, der in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt, ecken in dem kleinen japanischen Städtchen an. Okuyama, der auch das Drehbuch geschrieben hat, kritisiert subtil starre Geschlechterrollen, Vorurteile und Homophobie.

Interessant dabei ist, dass er nicht die Figur verteufelt, von der die Schwulenfeindlichkeit ausgeht. Jene Figur ist ebenfalls Opfer, weil sie nie gelernt hat, dass Liebe und Sexualität keine Sache zwischen Mann und Frau sind, sondern zwischen zwei Menschen – unabhängig von deren Geschlecht.
«My Sunshine» will keine Lösungen für diese sozialen Probleme finden. Kein Film könnte dieser Aufgabe gerecht werden. Doch er erinnert uns daran, dass es noch viel zu tun gibt.
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