
Was braucht ein Vergnügungspark, wenn er nicht mehr genügend Besuchende anzieht? Neue Attraktionen. Im nun schon vierten «Jurassic World»-Film bedeutet das, neue Dinosaurier heranzuzüchten. Am besten solche, die es nie gab. Kreuzungen, die gefährlicher sind als alle bisher existierenden Riesenechsen. In einer abgelegenen Forschungsstation arbeiten Wissenschaftler:innen genau daran.
Aber wie uns in unzähligen Werbespots eingetrichtert wurde: Du bist nicht du, wenn du hungrig bist. Das gilt auch für die Dino-Forschenden. Also stopft sich einer von ihnen noch ein «Snickers» zwischen die Backen, bevor er mit Kolleg:innen einen Sicherheitsbereich betritt. Dort wartet bereits eine mutierte Tyrannosaurus-Variante – der D-Rex.

Die Verpackung der Süssigkeit landet auf dem Boden und verschwindet in einem Lüftungsschlitz. Einen Kurzschluss später sind die Hochsicherheitstüren lahmgelegt. Blöd nur, dass genau dann der Dino-Mutant Amok läuft. Denn bei ihm gilt genauso: Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.
Ob die Verantwortlichen des berühmten Schokoriegels mit dieser Produktplatzierung glücklich sind? Wer weiss.
Was wir mit Sicherheit wissen: Tod durch «Snickers» klingt eher nach einer Idee für den nächsten «Final Destination»-Teil. Aber nein, es ist tatsächlich der Einstieg in «Jurassic World: Die Wiedergeburt», der allein mit dieser Szene mehr Unterhaltung bietet als alle seine drei Vorgänger.
Was wir nach den ersten Minuten des Films ebenfalls wissen: Die Menschen haben genug von Sauriern. Symbolisch dafür steht ein kranker Urzeitgigant, der mitten auf einer New Yorker Strasse liegt und den Verkehr blockiert. Alle sind genervt. Vom Staunen über die längst ausgestorbenen Tiere des allerersten «Jurassic Park» (1993) ist nichts mehr übrig.
So viel Geld haben die «Jurassic World»-Filme eingespielt
Rund 1,7 Milliarden US-Dollar weltweit hat der erste «Jurassic World» (2015) in die Kinokassen gespült. «Jurassic Park III» lag damals 14 Jahre zurück. Der Hunger nach neuer Dino-Action und «Guardians of the Galaxy»-Star Chris Pratt war gross.
«Jurassic World: Das gefallene Königreich» kam 2018 in die Kinos und machte international 1,3 Milliarden US-Dollar am Box Office.
Vier Jahre später folgte der dritte Teil: «Jurassic World: Ein neues Zeitalter» (2022) hatte mit rund einer Milliarde US-Dollar weltweit zwar weniger eingespielt als seine beiden Vorgänger, aber immer noch genug, um die Produktion einer Fortsetzung zu rechtfertigen.
Und auch «Jurassic World: Die Wiedergeburt» scheint ein Erfolg zu werden: Am Startwochenende machte der Film bereits ein Einspielergebnis von knapp 320 Millionen US-Dollar weltweit. Die Produktionskosten von 180 Millionen sind damit schon wieder drin.
Quelle: Box Office Mojo
Während in der Fiktion also eine Dino-Müdigkeit herrscht, sieht das in der Realität anders aus. Die letzten drei «Jurassic World»-Teile lockten scharenweise Publikum in die Kinosäle und spielten riesige Summen am Box Office ein. Und selbst in der dinomüden Gesellschaft von «Jurassic World: Die Wiedergeburt» scheint das Interesse an den Urzeittieren nicht gänzlich verschwunden zu sein – solange man Profite daraus schlagen kann.
Her mit dem Dino-Blut!
Ein Pharmakonzern will ein Mittel gegen Herzkrankheiten entwickeln. Um diese Medizin herzustellen, braucht er das Blut von lebenden Dinosauriern. Diese sind nur noch auf Inseln nahe am Äquator zu finden. Alle anderen Gebiete der Erde haben sich vier Jahre nach den Ereignissen von «Jurassic World: Ein neues Zeitalter» (2022) aufgrund des veränderten Klimas als unbewohnbar für die prähistorischen Reptilien erwiesen.
Da der Zutritt zu den Dino-Inseln verboten ist, heuert das Pharmaunternehmen ein Spezialteam an – angeführt von der Söldnerin und Beschaffungsexpertin Zora Bennett (Scarlett Johansson) sowie dem Paläontologen Dr. Henry Loomis (Jonathan Bailey). Widerwillig wird dann noch die schiffbrüchige Familie Delgado in die lebensgefährliche Mission hineingezogen.
Filmfakten
Originaltitel: Jurassic World Rebirth
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: David Koepp
Mit: Scarlett Johansson, Mahershala Ali, Jonathan Bailey, Rupert Friend, Manuel Garcia-Rulfo, Luna Blaise, Ed Skrein, David Iacono, Audrina Miranda
Produktionsland: USA
Länge: 134 Minuten
Kinostart Deutschschweiz: 2. Juli 2025
Dem Pharmakonzern winken nicht Milliarden-, sondern Billionenumsätze, wenn sie das Herzmedikament auf den Markt bringen können. Drehbuchautor David Koepp, der schon die Skripts für die ersten beiden «Jurassic Park»-Filme von Steven Spielberg geschrieben hat, macht daraus das Erwartbare: eine oberflächliche Kritik am Kapitalismus und an der Gier von international tätigen Konzernen. Verkörpert wird diese Verkommenheit durch den Pharmavertreter Martin Krebs (Rupert Friend), den selbst das Töten nicht abschreckt, um mehr Geld anzuhäufen.
Noch verschenkter ist die Umweltthematik: Aus dem Umstand, dass der menschengemachte Klimawandel die Saurier auf kleine Inseln am Äquator zurückgedrängt hat, macht das Drehbuch nicht genug.

Hier wäre das Potenzial gewesen, zu zeigen, anstatt nur in Dialogfetzen zu erwähnen, wie stark wir als Menschen unsere eigene Lebensgrundlage und die aller anderen Wesen zerstören. Denn die Dinos stehen hier stellvertretend für all die bedrohten Arten unseres Planeten.
Trotz der inhaltlichen Oberflächlichkeit konstruiert David Koepp zumindest einen Spannungsbogen, der für einen kurzweiligen Sommer-Blockbuster sorgt. Zwar ist «Jurassic World: Die Wiedergeburt» zu jedem Zeitpunkt vorhersehbar und die Figuren verkommen leider trotz sympathischer Dynamiken zu wandelnden Klischees – inklusive forcierten Traumata. Doch was der Film an Raffinesse im Drehbuch vermissen lässt, macht er mit der visuellen Umsetzung und der Inszenierung wieder wett.
Gefährliche Schönheiten
Regie führte Gareth Edwards. Ein Mann, der Erfahrung mit prähistorischen Riesenechsen hat. 2014 setzte er bereits die japanische Ikone Godzilla eindrücklich in Szene. Gerade zu Beginn des Films deutete Edwards den König der Monster nur an, zeigte einzelne Körperteile, liess ihn schemenhaft in der Nacht oder im Wasser agieren.
Ähnlich geht der Regisseur in «Jurassic World: Die Wiedergeburt» vor und baut so nicht nur mitreissende Sequenzen auf, sondern überrascht uns in gewissen Momenten sogar. Wenn ein Spinosaurus beispielsweise mit der Landschaft verschmilzt und erst wahrnehmbar wird, wenn es für eine der Figuren zu spät ist. Oder der D-Rex, mehr Xenomorph als Dinosaurier, plötzlich aus Rauch und Nebel erscheint. Eine weitere Einstellung, die stark an seinen Godzilla-Streifen erinnert.
Doch Edwards kann nicht nur subtil. Er weiss, wie er die Urzeittiere in gross angelegten Actionszenen inszenieren muss. Bei mindestens einer davon Stand Edwards ein beliebter weisser Hai eines noch beliebteren Regisseurs Pate. Wenn Zora Bennett und ihre Truppe die Blutprobe eines Mosasaurus – eines gigantischen Meeresreptils – beschaffen müssen und die Frage aufkommt, was robuster ist: Schiff oder Unterwassersaurier.

Und selbstverständlich darf der Klassiker unter den Riesenechsen nicht fehlen. Gareth Edwards führt den Tyrannosaurus rex erst unscheinbar ein, bevor der Fleischfresser die Familie Delgado einen Fluss herunterjagt. Die wollte eigentlich nur mit einem knallgelben Gummiboot über das Fliessgewässer gondeln. Eine der besten Szenen des Films.
Dass die Saurier-Action derart gut funktioniert – sogar beinahe vergessen lässt, wie vorhersehbar der Film zum Grossteil ist –, hat Edwards aber nicht allein zu verantworten. Die Künstler:innen hinter den digitalen Dinos haben abgeliefert. Noch nie sind die Urzeitreptilien in der «Jurassic World»-Reihe so imposant, schön und bedrohlich über die Leinwand getrampelt, geschwommen und geflogen.
Der Regisseur, sein Kameramann John Mathieson und die VFX-Artists erschaffen so aus einem höchstens mittelmässigen Drehbuch ein visuell imponierendes Abenteuer für die Kinoleinwand. Nun hat Edwards mit «Rogue One: A Star Wars Story» nicht nur den besten Film in der jüngeren Sternenkrieg-Geschichte in seiner Vita, sondern auch den bisher besten Teil des «Jurassic World»-Franchises.
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